Künstliche Besamung
 
Spermagewinnung


Die Samengewinnung beim Rüden und die die künstliche Besamung von Hündinnen gehören zu den Routineleistungen in der Fortpflanzungsmedizin. Als Alternative kann das Sperma auch bei minus 180 Grad Celsius im Flüssigstickstoff gelagert werden und bleibt hier, in der sogenannten Spermabank, über Jahrzehnte befruchtungsfähig.
 

Aus welchen Gründen werden Rüden abgesamt


In den meisten Fällen werden Rüden abgesamt, weil die Hündin, mit welcher ein Wurf geplant ist, weit weg wohnt. Das Sperma wird dann in gekühlter oder tiefgefrorener Form an den Wohnort der Hündin transportiert und vom Tierarzt im richtigen Zeitpunkt in die Scheide oder direkt in die Gebärmutter eingebracht. Häufig kommen Zuchtrüden mit der Vorgeschichte in die Sprechstunde, dass sie zwar nach wie vor Deckbereitschaft zeigen, aber die Hündinnen mehrheitlich leer bleiben. Hier ist natürlich abzuklären, ob die Spermaqualität für eine erfolgreiche Belegung ausreichend bzw. ob der Rüde noch zuchttauglich ist. Um diese Frage beantworten zu können, muss der Rüde abgesamt werden. Weil mehr als 90 % der Flüssigkeit des Ejakulates von der Prostata stammen, ist Absamen und Bakterienkultur des Ejakulates auch geeignet bei Verdacht auf bakterielle Prostatitis. Bei kerngesunden und charakterlich einwandfreien Rüden kann es sinnvoll sein, Sperma in der Samenbank zu lagern. Auf diese Weise kann die Fortpflanzungsfähigkeit von guten Vererbern künstlich lange Zeit über ihre Lebenszeit hinaus aufrechterhalten werden.

 
Normaler Deckakt


Bei Natursprung kann man eine Reflexkette beobachten, die bei allen Paarungen die gleiche Sequenzfolge aufweist: Zuerst kommt es im wahrsten Sinne des Wortes zu einem Vorspiel, dann erigiert der Penis und wird ausgeschachtet während der Rüde aufspringt und die Hündin von hinten umklammert. Dann finden Stossbewegungen statt, der Penis wird eingeführt und ein paar wenige, aber heftige Friktionsbewegungen folgen. Danach steigt der Rüde um, das heisst, er bewegt eines seiner Hinterbeine über den Rücken der Hündin, so dass die beiden Paarungspartner mit den Hinterteilen einander zugekehrt aneinander hängen. Bei der manuellen Samengewinnung versucht der Tierarzt, dieser Reflexkette mehr oder weniger gerecht zu werden. Je besser das gelingt, umso besser ist auch die Samenqualität.


Manuelle Samengewinnung


Wichtigste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Spermagewinnung sind Geduld und Ruhe. Am besten gelingt die Samengewinnung, wenn dem Rüden eine läufige Hündin präsentiert wird. Als Alternative kann man ihn an einem Tupfer schnüffeln lassen, der mit Sekret aus der Scheide einer läufigen Hündin getränkt ist.
 
Bei der Absamung werden zuerst Massagebewegungen an der Penisbasis durchgeführt, bis der Penis anschwillt.



 
Dann schiebt man mit beiden Händen die Vorhaut bis hinter die Zwiebel zurück.


 
Nun wird die Zwiebel mit Daumen und Zeigefinger ringförmig umfasst und in regelmässigen Abständen Druck auf den Penis ausgeübt. Der Rüde reagiert darauf mit zusätzlicher Peniserektion und Friktionsbewegungen - die sogenannte Hauptfraktion, das spermienreiche, milchige Sekret, geht ab.



 
Kurz darauf hebt der Rüde ein Hinterbein an, was den Wunsch nach Umsteigen signalisiert. Diesem Wunsch wird entsprochen, indem der Penis nach hinten gekippt wird.


 

In dieser Stellung geht nur noch Nachsekret ab, das glasklar ist und von der Prostata stammt.
 
Links im Bild die spermienreiche Hauptfraktion, die normalerweise in einer Menge von 1ml-4ml ausgeschieden wird. Rechts das Nachsekret, von welchem bis zu 80 ml abgesondert werden können.



 

 

Untersuchung des Ejakulates


Ein wichtiges Kriterium ist die Dichte der Spemien, die 4 bis 400 Millionen pro ml betragen sollte. Das Produkt aus Dichte und Volumen reflektiert die Gesamtzahl der ausgeschiedenen Spermien. Im Weiteren interessiert der prozentuale Anteil der vorwärtsbeweglichen Spermien und die Erscheinung, Morphologie.

 
Künstliche Besamung


Wenn alle Untersuchungsparameter im Normalbereich liegen, so ist das Sperma für die künstliche Besamung geeignet. Es kann dann entweder direkt als Frischsperma mit einem Katheter in die Scheide einer Hündin, die sich im optimalen Deckzeitpunkt befindet, eingebracht und deponiert werden. Es kann aber auch im Kühlschrank auf 4 Grad Celsius abgekühlt zwei bis drei Tage ohne wesentliche Qualitätseinbussen gelagert werden, bevor die Hündin dann besamt wird. Wenn für die Besamung Tiefgefriersperma benützt wird, muss die Besamung zu einem sehr späten Zeitpunkt in der Läufigkeit erfolgen. Hier ist das Timing ganz besonders wichtig, weil die aufgetauten Spermien nur ein paar Stunden lebensfähig sind. Spät in der Läufigkeit heisst gleichzeitig, dass die Gebärmutter bereits wieder geschlossen ist. Es nützt also nichts, das Sperma in der Scheide zu deponieren. Wenn man eine Trächtigkeit erzielen will, muss das Sperma unter Zuhilfenahme endoskopischer Instrumente via Scheide mittels eines Spezialkatheters direkt in die Gebärmutter instilliert werden.

 

 
Wieviele Hündinnen werden nach künstlicher Besamung trächtig


Die Konzeptionsrate liegt zwischen 55% und 85%. Bei Verwendung von Tiefgefriersperma ist sie geringer als bei Frischsperma. Die Konzeptionschance hängt ganz wesentlich vom Management, vom Timing, dem Vorhandensein von Spezialinstrumenten und dem spezifischen Know-how des Tierarztes ab.

 
Die "Samenbank" ist ein mit Flüssigstickstoff gefüllter Container, in dem der Samen bis zur Verwendung gelagert wird.
 

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